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Agroforstwirtschaft in der Schweiz: Forschung und Potenziale

Agroforstwirtschaft, die Integration von Bäumen in landwirtschaftliche Nutzflächen, gewinnt in der Schweiz zunehmend an Bedeutung. Ein Forschungsprojekt der ETH Zürich in Zusammenarbeit mit 140 Landwirten in den Kantonen Genf, Neuenburg, Waadt und Jura untersucht seit 2020 die Auswirkungen von Agroforstsystemen auf Klima, Biodiversität und Wirtschaftlichkeit. Besonderes Augenmerk liegt auf sogenannten Alley-Cropping-Systemen, bei denen Bäume in Reihen zwischen Ackerflächen gepflanzt werden. Ziel ist es, die Kohlenstoffbindung zu erhöhen, die Bodenerosion zu reduzieren und die wirtschaftliche Tragfähigkeit dieser Systeme zu bewerten. Die Forschung umfasst auch sozioökonomische Aspekte und wird von verschiedenen Institutionen wie Agroscope, FiBL und der Universität Neuenburg unterstützt.
Bereits 2011 untersuchte Agroscope das Potenzial moderner Agroforstsysteme in der Schweiz. Die Studie zeigte, dass Agroforstsysteme sowohl ökonomische als auch ökologische Vorteile bieten können. Sie erhöhen die Flächenproduktivität, fördern die Biodiversität und tragen zur Kohlenstoffbindung bei. Allerdings wurden auch Herausforderungen identifiziert, wie die Notwendigkeit angepasster Bewirtschaftungsmethoden und die Integration in bestehende landwirtschaftliche Strukturen.

Kastanienland.ch: Ein praktisches Beispiel für Agroforstwirtschaft

Ein anschauliches Beispiel für Agroforstwirtschaft in der Schweiz bietet die Plattform kastanienland.ch. Sie dokumentiert die phänologischen Entwicklungen von Edelkastanienbäumen in der Region Murg (SG) und vermittelt umfangreiches Wissen über die Kastanie, ihre Sortenvielfalt und Nutzungsmöglichkeiten. Die Edelkastanie (Castanea sativa) ist in Europa heimisch und wird wegen ihrer essbaren Früchte und als Holzlieferant geschätzt. Die Plattform bietet zudem kulinarische Produkte wie Kastanienmehl, -bier und -pralinen an, die die wirtschaftliche Nutzung der Bäume fördern.

Dieses Beispiel zeigt, wie Agroforstwirtschaft nicht nur ökologische Vorteile bietet, sondern auch kulturelle und wirtschaftliche Aspekte integriert. Durch die Kombination von landwirtschaftlicher Nutzung und Baumkulturen entsteht ein vielfältiges System, das sowohl die Biodiversität fördert als auch neue Einkommensquellen für Landwirte erschließt.