Inhalt
Anpassung | Hitze & Gesundheit

HITZE & GESUNDHEIT

Durch den Klimawandel steigen die Temperaturen – in der Schweiz derzeit doppelt so schnell wie im globalen Durchschnitt. Dies führt zu mehr Hitze­tagen über 30 °C und Tropennächten nicht unter 20 °C. Hitze belastet Menschen und Tiere, beeinträchtigt die nächtliche Erholung und verringert die Arbeitsleistung.

Ab 30 °C steigt die Sterblichkeit deutlich an, insbesondere bei aufeinanderfolgenden heissen Tagen und hoher Luftfeuchtigkeit. Hitze­wellen gehören zu den grössten Naturgefahren in der Schweiz und bedrohen auch unsere Ökosysteme wie Wälder und Gewässer und die Landwirtschaft.

Wie kühlt sich der Körper?

Menschen und gleichwarme Tiere wie Hunde, Katzen und Kühe sind auf eine konstante Körper­temperatur von etwa 36–39 °C angewiesen. Bei körperlicher Anstrengung oder hohen Temperaturen beginnt der menschliche Körper zu schwitzen. Die Verdunstung des Schweisses entzieht der Haut Wärme und sorgt für Kühlung (Verdunstungskühlung), wodurch die Kör­pertemperatur stabil gehalten wird. Ohne aus­reichende Kühlung kann es zu Überhitzung ­kommen, was für Menschen und Tiere – die noch weniger ­effi­zient schwitzen – gefährlich ist.

Überhitzung und Klimawandel

Eine Überhitzung droht nicht nur bei extremer Hitze – entscheidend ist die Kombination aus Lufttemperatur und Luftfeuchtigkeit. Diese bestimmt die Kühlgrenztemperatur (Wet Bulb Temperature, WBT). Die WBT ist die tiefste Temperatur, die die Körperoberfläche bei einer bestimmten Lufttemperatur und Luftfeuchtigkeit durch Schwitzen noch erreichen kann. Ist die Luft nahezu mit Feuchtigkeit gesättigt, verdunstet der Schweiss kaum noch und die Kühlung bleibt aus. Das kennt man aus dem Dampf- oder Thermalbad.

Durch den Klimawandel wird es nicht nur generell wärmer, sondern oft auch feuchter, da mehr ­Wasser verdunstet und wärmere Luft mehr Wasserdampf aufnehmen kann. In heissen, feuchten Regionen wie der Arabischen Halbinsel oder in Indien treten bereits heute kritische Bedingungen auf. Werden diese extremen Klimabe­dingungen zur Regel, könnten manche Regionen langfristig unbewohnbar werden.

Hitze belastet noch mehr, wenn kein Wind weht und die Sonne direkt auf uns herabscheint. Die Wet Bulb ­Globe Temperature (WBGT) erfasst zusätzlich auch diese Umgebungsbedingungen. Die WBGT dient dazu, an ­Tagen mit hoher Hitzebelastung bei ­Fussballspielen oder Arbeiten im Freien, z.B. auf Baustellen, ange­messene Abkühlpausen festzulegen.

Grenzen des Lebens

Die Kühlgrenztemperatur (WBT) gibt theoretisch an, bis zu welcher Temperatur wir uns noch selbst kühlen könnten. Die Grenze ist spätestens bei einer WBT von 35 °C (z.B. 48 °C Lufttemperatur und 40 % Luftfeuchte) erreicht; jetzt wird Hitze für jeden Menschen lebensgefährlich. Grund dafür ist, dass der Körper seine Temperatur nur stabil halten kann, solange die Haut kühler als 35 °C ist. Ab 35 °C WBT ist die Luft mit Feuchtigkeit gesättigt, sodass der Körper keine Feuchtigkeit – und damit Wärme – mehr abgeben kann: Er überhitzt. Ohne äussere Kühlung (z.B. Klimaanlage) führt dies innerhalb weniger Stunden zu Organversagen.

Praktisch liegt die Grenze für Überhitzung jedoch ­tiefer und hängt auch von Alter, Gesundheit, Aktivität und Kleidung ab. Junge, gesunde Menschen haben in der Regel bei 22 °C WBT (z.B. bei 22 °C Lufttemperatur und 100 % relativer Luftfeuchte) keine Probleme, aber andere können bereits Hitzestress-Symptome wie Kopfschmerzen und Müdigkeit entwickeln und ältere Menschen sogar in Lebensgefahr sein.

Persönliche Massnahmen gegen Hitze

  • sich vor direkter Sonneneinstrahlung schützen (Schatten, Bekleidung, Kopfbedeckung, Sonnenbrille, Sonnencrème etc.)
  • körperliche Anstrengungen vermeiden, auf die kühleren Tageszeiten verlegen bzw. während oder nach sportlichen Betätigungen den Salzverlust ausgleichen
  • möglichst ungesüsste Getränke regelmässig und in ausreichender Menge (Zimmertemperatur) zu sich nehmen (mind. 1.5 Liter pro Tag); keinen Alkohol trinken
  • erfrischende, wasserreiche Speisen wie Obst und Gemüse zu sich nehmen
  • Wohnung möglichst kühl halten. Insbesondere in den Nächten Gebäude gut durchlüften.
  • Körper kühl halten (kühl duschen, kalte Tücher auf Stirn und Nacken auflegen, kalte Fuss- und Handbäder nehmen)
  • luftige Kleidung aus natürlichen Materialien tragen
  • Kontakt zu den Personen in der Umgebung aufnehmen (einschliesslich den Nachbarn), die in die Risikokategorie fallen (insbesondere ältere Menschen, die allein sind und chronische Krankheiten haben), und sich vergewissern, dass es ihnen gut geht und sie die bestehenden Empfehlungen befolgen können
  • Dosierung Medikamente mit einer Fachperson abklären
  • Personen oder Tiere nicht in einem Auto zurücklassen