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Die Welt des CO₂ | CO₂ durch die Zeit

CO2 durch die Zeit

Der CO₂-Gehalt in der Atmosphäre hat im Laufe der Erd­geschichte stark geschwankt. Man schätzt, dass die CO₂-Konzentration vor 500 Millionen Jahren bei 3 000 bis 9 000 ppm lag, während sie in der vorindustriellen Zeit bei etwa 280 ppm lag. Heute liegen die Werte bei über 420 ppm. Das ist ein Anstieg um 50% gegenüber den vor­industriellen Werten und höher als je zuvor in den letzten 3 Millionen Jahren.

Messmethoden

Seit fast 70 Jahren können Forschende die Zusammensetzung der Atmosphäre direkt messen; instrumentelle Temperaturauf­zeichnungen reichen etwa 150 Jahre zurück. Um das Klima früherer Jahrhunderte zu rekon­struieren, nutzen sie neben Wetterdaten auch histo­ri­sche Quellen wie Blütezeiten der Kirschbäume in Japan oder Ernte­erträge in Mitteleuropa.

Die CO₂-Daten und Temperaturverläufe der letzten 2 000 Jahre basieren auf direkten Messungen und Klima­archiven. Besonders hilf­reich für hochaufgelöste ­Temperaturrekonstruktionen sind Baumringe von der Nordhalb­kugel und tropische Korallen, die regionale Schwankungen gut dokumentieren.

Für noch ältere Zeiträume dienen Eisbohr­kerne und Sedi­mente als Klimaarchive. Antarktische Eisbohr­kerne ­reichen 800 000 Jahre zurück und ermöglichen eine ­direkte Messung der Atmosphäre und damit der Treibhausgaskonzentrationen vergangener Zeiten. Der neue Beyond EPICA Eiskern wird diese Zeitreihe auf mehr als 1.2 Millionen verlängern. Meeresablagerungen reichen sogar 150 Millionen Jahre zurück.

Noch wei­ter zurück ­lie­fern Sauerstoffisotope in Fos­silien Hinweise auf Tempe­raturen. Trotz Unsicherheiten lassen sich daraus ver­lässliche Klima­trends ableiten.

Alle diese Daten fliessen in Klimamodelle ein, die sowohl die Vergangenheit rekonstruieren als auch Prognosen
für die Zukunft ermöglichen.

DREI MÖGLICHE ZUKUNFTSSZENARIEN

Laut dem Weltklimarat (IPCC, 2023) hängt die künf­tige globale Erwärmung entscheidend von den Treibhaus­gasemissionen ab. Bei sehr hohen Emissio­nen könnte die durchschnittliche Temperatur bis im Jahr 2100 um über +4 °C im Vergleich zum vor­indus­triellen Niveau steigen. Bei sehr schneller Emissions­reduktion liesse sich die Erwärmung auf +1.4 °C begrenzen. Nur durch eine schnelle und umfassende Reduktion der Emissionen auf ­Netto-Null können schwerwiegende Folgen noch abgewendet werden.

Szenario A: Ohne Klimaschutzmassnahmen

Kümmern wir uns nicht um den Klimaschutz, steigen die Temperaturen weltweit stark an. Viele Regionen könnten unbewohnbar werden. Extreme Wetter­er­eig­nisse wie Dürren, Überschwemmungen und Brände nehmen zu. Der Meeresspiegel steigt, Millionen Menschen verlieren ihre Heimat. Ökosysteme wie Regenwälder und Korallenriffe kollabieren, das Artensterben beschleunigt sich. Auch die wirtschaftlichen und sozialen Folgen wären erheblich.

Szenario B:
Mit begrenzten Massnahmen

Wird der CO₂-Ausstoss fortlaufend reduziert (zumin­dest um etwa zwei Drittel bis 2050 verglichen mit 2019), könnte die Erwärmung auf rund +3 °C begrenzt werden. Das Klima verändert sich trotzdem gravie­rend: Hitzewellen, Trockenheit und Starkregen ­neh­men zu. Landwirtschaft und Wasserversorgung ­ge­raten unter Druck, Anpassungs­massnahmen sind nötig, kosten­intensiv und können in der Regel das, was zerstört wurde, nicht mehr zurückbringen.

Szenario C:
Mit konsequentem Handeln

Mit einer konsequenteren Emissionsreduktion (84 % bis 2050 verglichen mit 2019; danach weitere Reduktion) liesse sich die Erwärmung auf unter +2 °C ­begrenzen. Danach richtet sich auch das Schweizer ­Netto-Null-Ziel, das in der Volksabstimmung vom 18. Juni 2023 be­schlossen wurde. Viele Risi­ken können da­durch abgeschwächt werden. Zwar bleibt Extrem­wetter nicht aus, doch die Folgen bleiben kontrol­lier­barer. Öko­systeme sind widerstandsfähiger, mehr Lebens­räume bleiben erhalten und die wirtschaftlichen sowie sozialen Auswirkungen sind deutlich geringer.

«Wir Erdsystem- und Klimawissenschaftler werden ernsthaft nervös. Der Planet verändert sich schneller, als wir erwartet haben. Obwohl wir jahrelang Alarm ge­schlagen haben, stellen wir jetzt fest, dass der Planet tatsächlich in einer Situation ist, in der wir die Risiken unterschätzt ­haben. Es kommt zu abrupten Veränderungen, die weit über die realistischen Erwar­tungen der Wissenschaft hinausgehen.» – Johan Rockström, Direktor des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK)