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LANDWIRT­SCHAFTLICHE BÖDEN & CO2

Heute speichern Böden mehr Kohlenstoff als alle Pflanzen und die Atmosphäre zusammen. Stören wir sie, entweicht der gebundene Kohlenstoff als CO₂ in die Atmosphäre. Damit verlieren wir die Böden als wichtige CO₂-Speicher.

Infografik: Hang mit Bodenprofilen – Erosion verlagert Oberboden hangabwärts; links intakter Boden, rechts abgelagerter Boden. Pfeile: Photosynthese und Bodenatmung (CO₂).

Die Grafik zeigt einen Hang mit drei Bodenprofilen. Links ein am Standort entstandener Boden: Oberboden über Unterboden, darüber Löss; darunter Festgestein. In der Mitte erodiert der Oberboden durch Bearbeitung und Regen; ein Traktor fährt bergab, der Oberboden wird mit ehemaligem Unterboden vermischt. Rechts im Unterhang lagern sich die erodierten Materialien ab: ein neuer Oberboden entsteht über abgelagertem Unterboden; eine „überdeckte ehemalige Oberfläche“ ist erkennbar. Über dem linken und rechten Profil weisen Pfeile auf CO₂‑Flüsse hin: Aufwärts für Photosynthese, aufwärts/abwärts für Bodenatmung. Hinweis „nicht maßstabsgetreu“ ist vermerkt.

Exponate in der Ausstellung. Foto: Nicola Pitaro (modif.)

Weitere Informationen zu den Exponaten

WIE GELANGT CO₂ IN DIE BÖDEN?

Pflanzen nehmen durch Photo­synthese Kohlenstoff in Form von CO₂ aus der Luft auf. Sterben sie ab, beginnen die «Architekten des Bodens», die Mikro­organismen, ihr Werk: Sie zersetzen die Pflanzenreste, wodurch Teile des in den Pflanzen gebundenen Kohlenstoffs in den Boden gelangen. Dabei entsteht wertvoller, nährstoffreicher Humus.

WIE ENTWEICHT CO₂ AUS DEM BODEN?

In gesunden Böden steht die Aufnahme von CO₂ in die Böden in einem natürlichen Verhältnis mit der Bodenatmung: Mikroorganismen atmen bei der Zersetzung CO₂ aus, welches in die Atmosphäre entweicht.

Wird durch die Bearbeitung des Bodens die schützende, dauerhafte Vegetationsdecke entfernt, gelangen weniger frische Pflanzenreste in den Boden. Die Aktivität der Mikroorganismen verändert sich: Statt noch mehr Humus neu zu bilden, zersetzen sie bereits vorhandenen Humus. Dabei entweicht der darin gespeicherte Kohlenstoff als CO₂ – zusätzlich zur natürlichen Bodenatmung.

VERLUST VON FRUCHTBAREM ACKERLAND

Viele ertragreiche Böden werden intensiv bewirtschaftet, wodurch sie anfällig für Übernutzung und Abtragung werden. Letzteres ist v.a. an Hängen in Mitteleuropa ein Problem: Regenwasser spült den durch die Bearbeitung aufgelockerten Oberboden mit dem fruchtbaren Humus hang­abwärts – insbesondere dann, wenn eine schützende Vegetationsdecke fehlt.

Während das Tal mit fruchtbarem Boden überdeckt wird, geht an den Hängen immer mehr wertvoller Ackerboden verloren. Dieser ­Verlust kann einerseits durch verstärkte Ausbringung von Dünger ausgeglichen werden, was die Umwelt jedoch zusätzlich belastet; andererseits durch die Erschliessung neuer Landwirtschaftsflächen, was jedoch oft mit Abholzung verbun-
den ist.

Lössböden sind ein Beispiel für besonders ertragreiche Böden, auf denen ein bedeutender Teil der weltweiten Nahrung wächst. Sie entstanden nach den Eiszeiten aus feinem Staub, der vom Wind in hügeligen Landschaften abgelagert wurde. Die Feinheit des Materials und die Lage am Hang machen Lössböden speziell anfällig für Abtragung.

Damit sind Lössböden in ihrer wichtigen Funktion für die Nahrungsmittelproduktion und als CO₂-Speicher gefährdet. Wir müssen verhindern, dass sie verloren gehen. Sind sie einmal weg, ­kommen sie nicht wieder – zumindest nicht bis zur nächsten Eiszeit. Bodenschutz ist also auch Klimaschutz.

Mit einer nachhaltigen und regenerativen Landwirtschaft können wir Böden schützen, z.B. durch weniger Pflügen, eine den Boden stabilisierende Bepflanzung und die gezielte Förderung der Humusbildung.