MOORE ALS CO2-SPEICHER
Böden mit über 20 % organischem Kohlenstoff – also Kohlenstoff aus abgestorbenen Lebewesen – sind wichtig für das Klima. Sie bedecken weniger als 10 % der weltweiten Landfläche, speichern aber mehr CO₂ als alle Bäume der Erde zusammen.

Die Grafik vergleicht zwei Zustände von Moorböden im Querschnitt. Links ein wassergesättigter, kohlenstoffreicher Moorboden mit hoher Wasserlinie unter der Vegetation. Pfeile zeigen: Pflanzen nehmen CO₂ auf, geringe Methanbildung als Nebenprodukt der Zersetzung. Rechts ein entwässerter Moorboden mit Drainagerohren und tiefer Wasserlinie. Ein Traktor steht auf der Oberfläche; Pfeile weisen auf erhöhte Emissionen von CO₂ und Lachgas (N₂O) sowie auf Bodensenkung hin. Eine senkrechte blaue Doppelpfeil‑Legende zeigt „Regulierung Wasserspiegel“; eine schwarze Pfeilbeschriftung erklärt „Entwässerung“. Der Kerninhalt: Nasse Moore speichern Kohlenstoff, trockengelegte Moore verlieren ihn und emittieren deutlich mehr Treibhausgase.

Exponate in der Ausstellung. Foto: Nicola Pitaro
Weitere Informationen zu den Exponaten
Das typische Beispiel für organische Böden sind Moore. Sie bestehen grösstenteils aus Torf, der sich in einer dauerhaft nassen, sauerstoffarmen Umgebung aus abgestorbenen Pflanzen bildet. Weil Mikroorganismen unter diesen Bedingungen Pflanzenreste nur langsam zersetzen, bleibt der Kohlenstoff, den die Pflanzen zu Lebzeiten als CO₂ aus der Luft aufgenommen haben, im Moorboden gespeichert.
Wird ein Moor entwässert, etwa für die landwirtschaftliche Nutzung, sinkt der Wasserspiegel und der Moorboden trocknet aus. Sauerstoff dringt in den Boden und Mikroorganismen beginnen, die zuvor konservierten Pflanzenreste zu zersetzen. Dabei verbindet sich der Kohlenstoff (C) aus den Pflanzenresten mit dem Sauerstoff (O₂) zu CO₂, das in die Atmosphäre entweicht. Gleichzeitig senkt sich der Boden, was durch die Verdichtung aufgrund landwirtschaftlicher Bearbeitung verstärkt wird.
Durch Wiedervernässung kann das Entweichen von Treibhausgasen reduziert werden. Die Zersetzung verlangsamt sich und die Torfbildung kann erneut einsetzen, sodass der Boden wieder mehr Kohlenstoff speichert als freisetzt.
MOORE IN DER SCHWEIZ
Die Entwässerung von Mooren trägt wesentlich zu den weltweiten Treibhausgasemissionen bei. In der Schweiz wurden im 19. und 20. Jahrhundert rund 90 % der Moore trockengelegt, um Flächen für die Land- und Forstwirtschaft zu gewinnen. So wurde im Berner Seeland das «Grosse Moos» zum Gemüsegarten der Schweiz. Als Folge senkte sich dort der Boden in 100 Jahren um bis zu 2.4 Meter.
Heute fördert die Schweiz die Wiedervernässung von Mooren als Klimaschutzmassnahme. Bleiben die Böden landwirtschaftlich genutzt – etwa für den Anbau von Nassreis – spricht man von Paludikultur. Wird das Moor in einen naturnahen Zustand zurückgeführt, bezeichnet man dies als Renaturierung. Nun kann der Moorboden wieder in die Höhe wachsen. Bis sich wieder ein funktionierendes Moor-Ökosystem mit seiner hochspezialisierten Flora und Fauna einstellt, können Jahrzehnte bis Jahrhunderte vergehen.