Immobilien
24 % direkte Emissionen in der Schweiz

Energieverbrauch beim Gebäudebetrieb
Foto: Adobe Stock
Immobilien wie Wohnhäuser, Bürogebäude, öffentliche Gebäude sowie andere Infrastrukturen verursachen über ihren gesamten Lebenszyklus erhebliche Treibhausgasemissionen. Der hohe Energiebedarf im Betrieb für Heizen, Kühlen und Strom generiert direkte Emissionen. Die Bautätigkeit trägt zu den indirekten Emissionen bei – etwa durch die Beton- und Stahlherstellung und die Entsorgung. Entlang der gesamten Wertschöpfungskette entfallen fast zwei Fünftel des globalen Treibhausgasausstosses auf den Immobilienbereich.
Mit wachsender Weltbevölkerung und zunehmendem Wohnbedarf (z.B. Schweiz, 2024: 46.6 m² pro Person) steigen der Ressourcenverbrauch und damit auch die Emissionen im Immobiliensektor stetig an.
WIE SIEHT NETTO-NULL IM IMMOBILIENSEKTOR AUS?
- Renovieren statt neu bauen verlängert die Lebensdauer eines Gebäudes und spart Baumaterial.
- Energetische Sanierungen mit nachwachsenden, CO₂-speichernden Dämmstoffen (z.B. Stroh, Hanf) reduzieren den Energiebedarf während des Betriebs und lagern CO₂ ein.
- Der Gebäudebetrieb (Wärme, Kälte, Strom) mit erneuerbarer Energie reduziert Emissionen. Effiziente Prozesse und Geräte (z.B. Waschmaschinen, Kochherde) senken den Energieverbrauch.
- Ausgleichsflächen wie begrünte Dächer oder Schatten spendende Pflanzen helfen, CO₂ zu binden und Gebäude zu kühlen.
- «Smart Buildings» verbrauchen nicht nur weniger Energie, sondern interagieren auch intelligent mit dem Stromnetz. Sie speichern Energie und speisen sie bei Lastspitzen zurück ins Netz.
Benötigte gesellschaftliche und politische Massnahmen
- Gesetze für nachhaltige Gebäudestandards (z.B. Verbot neuer Ölheizungen) reduzieren Emissionen.
- Institutionelle Anleger:innen benutzen globale Standards (z.B. Global Real Estate Sustainability Benchmark, GRESB), um ihre Immobilienportfolios nachhaltig zu gestalten.
- Klimafreundliches Bauen und alternative Wohnformen mit geringerem Flächenbedarf sind gesellschaftlich akzeptiert.
Zusatznutzen für die Gesellschaft
- Immobilienbesitzer:innen sparen Geld, indem sie auf Technologien umsteigen, die weniger Emissionen und Betriebskosten verursachen.
- Innovative Gebäudetechnologien werden erforscht und neue Arbeitsplätze geschaffen (z.B. Solarteur:in).
- Neue Wohnformen wie «tiny houses» und Wohnprojekte mit Gemeinschaftsräumen, Begrünung sowie natürlichen und schadstoffarmen Materialien erhöhen die Lebensqualität.

Wie kannst Du beitragen?
- Reduziere deinen Flächenbedarf, achte auf deinen Energieverbrauch im Haushalt und entscheide dich für Ökostrom.
- Als Mietpartei: Heize und kühle sparsam und setze dich bei der Vermieterschaft für nachhaltige Sanierungen ein (z.B. Ersatz der Öl-/Gasheizung, gut isolierende Fenster).
- Als Hauseigentümer:in: Heize erneuerbar, nutze nachhaltige und rezyklierte Baumaterialien und isoliere dein Haus mit Materialien, die CO₂ eingespeichert haben.

TREIBHAUSGASEMISSIONEN IM LEBENSZYKLUS VON IMMOBILIEN
Grafik: UK Green Building Council (modif.)

NEST HiLo – High Performance, Low Emissions
Das Forschungsprojekt der Empa verbindet attraktive Architektur mit energie- und ressourcenschonendem Bau und Betrieb. Beispiele sind Leichtbau-Gewölbedecken und eine selbstlernende Gebäudetechnik, die für ein gesundes und gleichzeitig energiesparendes Raumklima sorgt.
Foto: Roman Keller (Empa)

BEWEGLICHE SOLARFASSADEN
Vor Fenstern montierte Solarpaneele bewegen sich automatisch so, dass sie möglichst viel Sonnenlicht einfangen. Das verbessert die Effizienz bei der Energiegewinnung und beschattet gleichzeitig die Innenräume.
Foto: Roman Keller (Empa)

BAUTEILBÖRSEN – WIEDERVERWENDUNG
84 % der Abfälle in der Schweiz sind Bauabfälle. Über Bauteilbörsen lassen sich gebrauchte Teile wiederverwenden und damit Abfälle reduzieren. Sie sind ein wichtiger Schritt in Richtung Kreislaufwirtschaft.
Foto: Adobe Stock

ISOLIEREN MIT NACHWACHSENDEN ROHSTOFFEN
Baustoffe aus nachwachsenden Rohstoffen (z.B. Holz, Hanf oder Stroh) speichern das in ihnen enthaltene CO₂ im Gebäude ein. Sie werden für die Isolation eingesetzt, was zu einer Emissionsreduktion von bis zu 87 % führen kann.
Foto: Atelier Schmidt

THINK EARTH – REGENERATIVES BAUEN
Das Projekt der ETH Zürich entwickelt Bauweisen, die nicht nur nachhaltig, sondern auch regenerativ sind. Ziel ist es, Materialien und Methoden einzusetzen, die die Umwelt schützen und zur Wiederherstellung natürlicher Ökosysteme beitragen – mit Holz und Lehm als zentralen Baustoffen.
Foto: Professur für Nachhaltige Konstruktion, OST – Ostschweizer Fachhochschule