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Industrie

24 % direkte Emissionen in der Schweiz

Industrieanlage in Basel
Foto: Adobe Stock

Unsere Wohnungseinrichtung, Fahrzeuge, Medikamente, Kleidung, Smartphones etc. werden industriell gefertigt. Dazu werden Rohstoffe und energieintensive Prozesse benötigt, die erhebliche Treibhaus­gasemissionen verursachen.

Industrielle Produkte sind essenziell für unser modernes Leben, doch ihre Herstellung wird heute oft nur eingeschränkt nachhaltig gestaltet. Durch den Import solcher Produkte tragen wir zudem zum Treibhausgasausstoss in Herstellungsländern bei (­indirekte Emissionen). Analysiert man die Treibhaus­gase, die ein Produkt verursacht, muss sein ganzer Lebenszyklus miteingerechnet werden. Das bedeutet, dass sowohl die direkten als auch die indirekten Emissionen berücksichtigt werden müssen.

WIE SIEHT NETTO-NULL IM INDUSTRIESEKTOR AUS?

  • Der hohe Energiebedarf für die Rohstoffgewinnung, die Herstellung, den Transport, die Lagerung, die Nutzung und die Entsorgung von Produkten wird durch CO₂-neutrale, erneuerbare Energien gedeckt.
  • Industrielle Prozesse zum Heizen und Kühlen stossen keine oder kaum noch Treibhaus­gase aus (z.B. Verwendung von Wärmepumpen mit nachhaltigen Kältemitteln).
  • Materialkreisläufe sind soweit wie möglich geschlossen (Kreislaufwirtschaft); Produkte werden gemäss Eco-­Design-Standards gestaltet.
  • Die grössten Emissionsquellen in industriellen Prozessen sind identifiziert und ihr Treibhausgasausstoss wird gezielt minimiert, um Emissionsreduktionziele zu erreichen.
  • Restemissionen werden abgefangen, bevor sie in die Atmo­sphäre gelangen, und gespeichert («Carbon Capture and Storage», CCS).
  • Lieferketten sind möglichst kurz, da Beschaffung, Produktion und Konsum lokal erfolgen (z.B. Nutzung rezyklierter Rohstoffe), sofern dies zu geringeren Emissionen führt.

Benötigte gesellschaftliche und politische Massnahmen

  • Regierungen führen Anreize und Massnahmen ein, die emissionsarme Verfahren billig und zugänglich machen. Sehr emissionsintensive Prozesse und Produkte können verboten werden.
  • Emissionskosten werden im Produktpreis abgebildet (Internalisierung von externen Kosten).
  • Emissionshandelsysteme setzen klare Netto-Null-Ziele.
  • Emissionen der Industrie werden durch klare Überwachung, Berichterstattung und Verifizierung transparent gemacht (z.B. durch Treibhausgasbilanzen).

Zusatznutzen für die Gesellschaft

  • Weniger industrielle Verschmutzung führt zu einer Verbesserung der Luft-, Wasser- und Bodenqualität.
  • Investitionen in emissionsarme Industrietechnologien fördern die Schaffung von Arbeitsplätzen und Innovationen.
  • Effiziente Ressourcennutzung und Kreislaufmodelle schützen endliche Rohstoffvorkommen und verringern den Druck auf Ökosysteme.

Wie kannst Du beitragen?

  • Konsumiere bewusster (Genügsamkeit): Wenn weniger hergestellt wird, entstehen weniger Emissionen.
  • Konsumiere nachhaltiger: Kaufe bei Unternehmen, die Materialien wiederverwenden, z.B. Secondhand-Produkte.
  • Kaufe Eco-Design-Produkte: Damit leistest du einen Beitrag an die Kreislaufwirtschaft und stellst sicher, dass Rohstoffe rezykliert werden können.

TREIBHAUSGASEMISSIONEN ENTLANG DES LEBENSZYKLUS EINES PRODUKTS
Entwicklung von «cradle to gate to grave» zu «cradle to cradle», um Emissionen einzusparen

Grafik: Green Element (modif.)

ABFANGEN UND SPEICHERN VON INDUSTRIELLEN CO₂-EMISSIONEN

Die vollständige Vermeidung von Emissionen ist in manchen Branchen nicht möglich. Dafür werden neue Verfahren entwickelt, mit denen man CO₂ abfangen und im Untergrund oder in Pro­dukten speichern kann, bevor es in die Atmosphäre gelangt.

Foto: Léon Frey (focusTerra)

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KANN BETON DAS KLIMA RETTEN?

8 % des weltweiten CO₂-Ausstosses werden durch die Herstellung von Zement (wichtiger Bestandteil von Beton) verursacht – rund dreimal so viel wie durch den globalen Luftverkehr. Auch Schweizer Forschende und Unternehmen arbeiten an nachhaltigem Beton, der weniger CO₂ generiert – oder es einspeichern kann.

Foto: Adobe Stock

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EMISSIONSREDUKTION IN DER METALLINDUSTRIE

Die jährliche Produktion von ca. 2 Milliarden Tonnen Metallen ist für ca. 10 % der ­globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Schrottrecycling spart Emissionen ein (bei Eisen z.B. bis zu 74 %). Erste Anlagen prüfen zudem emissionsärmere Verfahren bei der Verarbeitung von Erzen.

Foto: Adobe Stock

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DIGITALER PRODUKTPASS DER EU (DPP)

Der digitale Produktpass ist Teil der EU-Verordnung für das Eco-Design nachhaltiger Produkte (ESPR, 2024). Unternehmen sind verpflichtet, detaillierte Informationen über ihre Produkte in digitaler Form anzugeben (z.B. mit QR-Code oder Chip).

Foto: Adobe Stock

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KEIN GEPLANTER VERSCHLEISS

Der in der Instustrie gebräuchliche geplante Verschleiss u.a. von Geräten soll eingeschränkt werden. Dies soll z.B. durch Gesetze für längere Garantien und das Recht auf Reparatur erreicht werden. In der Schweiz kann geplanter Verschleiss (Obsoleszenz) geahndet werden. Die EU plant ähnliche Massnahmen.

Foto: Adobe Stock

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