Landwirtschaft
14 % direkte Emissionen in der Schweiz

Apfelernte im Thurgau
Foto: Adobe Stock
Rund 38 % der gesamten Landfläche der Erde werden für die intensive landwirtschaftliche Nahrungsmittelproduktion genutzt. Die Lebensmittelproduktion verursacht Treibhausgasemissionen – von der Landrodung und dem Anbau über Düngung, Tierhaltung, Verarbeitung, Verpackung, Transport, Kühlung bis hin zur Entsorgung.
Hinzu kommt, dass bis zu einem Drittel der produzierten Lebensmittel im Abfall landen: während der Aufbereitung, im Handel (industrieller «food waste») und durch Verschwendung in Privathaushalten. «Food waste» macht in der Schweiz ca. 310 kg pro Person und Jahr aus (Stand 2024). Das bedeutet, dass sehr viel Energie und Rohstoffe entlang der gesamten Produktionskette verschwendet werden und die Umwelt ohne Mehrwert belastet wird.
WIE SIEHT NETTO-NULL IM LANDWIRTSCHAFTSSEKTOR AUS?
- Landnutzungsänderungen (z.B. Abholzung von Urwäldern) sind stark beschränkt und gut kontrolliert.
- Landwirt:innen nutzen regenerative Methoden. Dadurch wird die Bodengesundheit verbessert und die Böden können mehr CO₂ speichern.
- Die Produktion von tierischen Lebensmitteln (v.a. rotes Fleisch und Milchprodukte) ist reduziert. Die verbleibenden Tiere werden so gefüttert, dass sie bei der Verdauung weniger Treibhausgase ausstossen. Für die Nutztierhaltung werden weniger Futteranbauflächen und Transportmittel benötigt.
- Der Verbrauch von Wasser, Agrochemikalien (z.B. Dünger, Pestizide) und Energie wird durch computergesteuerte Präzisionslandwirtschaft und robuste Sorten minimiert.
- Innovative Produktionstechnologien wie Laborfleisch oder Aquakultursysteme (Vertical Farming) sparen Landfläche und Ressourcen.
Benötigte gesellschaftliche und politische Massnahmen
- Regierungen stellen Gesetze und Subventionen bereit, um Landwirt:innen bei der Umstellung auf nachhaltigere Methoden zu unterstützen.
- Die Messung von Emissionen in der Landwirtschaft wird standardisiert und in die Lebensmittelpreise eingerechnet.
- Gesetze schreiben vor, dass der Detailhandel den Konsum emissionsärmerer Lebensmittel fördert, z.B. mit gezielten Aktionen und vorteilhafter Präsentation («nudging»).
Zusatznutzen für die Gesellschaft
- Die Vielfalt in der nachhaltigen Landwirtschaft, wie die Kombination von Ackerbau und Viehzucht, macht Betriebe widerstandsfähiger z.B. gegen Wetterextreme. Das stärkt die Ernährungssicherheit.
- Gesündere Ernährung: Ein geringerer Fleischkonsum und eine vielfältige, pflanzlichere Ernährung fördern die Gesundheit.

Wie kannst Du beitragen?
- Verschwende keine Lebensmittel: Durch bewusstes Einkaufen (z.B. «hässliches» Gemüse), richtige Lagerung und Resteverwertung lässt sich «food waste» deutlich reduzieren.
- Beschränke deinen Konsum von tierischen Lebensmitteln (v.a. rotes Fleisch, Milchprodukte) und iss mehr pflanzlich.
- Achte auf saisonale und lokale Nahrungsmittel. Damit können in vielen Fällen Emissionen eingespart werden.

TREIBHAUSGASEMISSIONEN ENTLANG DER PRODUKTIONSKETTE VON LEBENSMITTELN
Grafik: Our World in Data (modif.)

PFLANZENBASIERTE PROTEINE
Tierisches Eiweiss kann zunehmend durch alternative Proteinquellen ersetzt werden. Zahlreiche innovative Unternehmen entwickeln vegane Fleischalternativen – ein stark wachsendes Premiumsegment im Lebensmittelmarkt.
Foto: Adobe Stock

VERTICAL FARMING
In Zürich gibt es vertikale Farmen, die ganzjährig gesunde, pestizidfreie Pflanzen produzieren. Möglich wird dies durch Automatisierung und datengesteuerte Präzisionslandwirtschaft (z.B. Tropfbewässerung zur optimalen Nährstoffversorgung).
Foto: Adobe Stock

REVOLUTION MIT MIKROALGEN
Mikroalgen haben mit ihrem hohen Protein- und Nährstoffgehalt das Potenzial, die Lebensmittelproduktion zu revolutionieren. Forschende an der ETH Zürich entwickeln dafür innovative Prozesstechnologien.
Foto: Fengzheng Gao (ETH Zürich)

REISANBAU IN WIEDERVERNÄSSTEN FEUCHTGEBIETEN
Trockengelegte Feuchtgebiete sind fruchtbare Landwirtschaftsflächen, stossen aber viel CO₂ aus. Ihre Wiedervernässung bremst den Ausstoss. Auf neu gefluteten Flächen forscht Agroscope seit 2017 am Nassreisanbau in der Nordschweiz.
Foto: Natascha Hedrich

PFLANZENKOHLE ALS CO₂-SPEICHER
Durch Untermischen von Pflanzenkohle wird der Boden aufgewertet und kann mehr Feuchtigkeit und Nährstoffe halten. Der in der Kohle enthaltene Kohlenstoff (C), der ursprünglich aus dem CO₂ der Luft stammt, wird im Boden gespeichert.
Foto: ANGHI (iStock)