TREIBHAUSGASBILANZ:
ZAHLEN FÜRS KLIMA
Möchte man das Klima schützen, muss man wissen, wo Treibhausgasemissionen entstehen und wie viele es sind. Dafür gibt es Treibhausgasbilanzen (THG-Bilanzen). Sie zeigen, wie viel klimaschädliche Gase ein Unternehmen, eine Organisation oder ein Land verursacht. Dies ermöglicht die Planung gezielter Massnahmen, die Überwachung der Fortschritte und eine transparente Kommunikation.

Daten: *mobitool; #BAFU, 2025 (Schweiz)
Die Grafik zeigt drei überlappende Kreise. Im dunklen mittleren Kreis steht der Titel „Wie berechne ich meine Emissionen?“ und die Regel: Emissionen (in CO₂e) = Menge × Emissionsfaktor (EF). Links erklärt ein hellgrauer Kreis das Beispiel „mittelgroßes Benzinauto“: Fahrstrecke 1000 km (nach Kopenhagen), EF 151 g CO₂e pro Personenkilometer; Roadtrip zu zweit ergibt 302 000 g = 302 kg = 0,3 Tonnen CO₂e. Rechts oben zeigt ein weiterer Kreis das Beispiel Heizöl: Verbrauch 1 Tonne, EF 3,16 CO₂e pro Tonne; Ergebnis 3,16 Tonnen CO₂e.
Damit Emissionen mess- und vergleichbar sind, wird der Ausstoss verschiedener Aktivitäten berechnet. Grundlage dafür sind sog. Emissionsfaktoren (EF): Sie geben an, wie viel CO₂ (oder andere Treibhausgase, umgerechnet in CO₂-Äquivalente CO₂e) bei der Nutzung einer bestimmten Menge eines Stoffes freigesetzt wird. Ein Beispiel ist die Verbrennung von Heizöl. Die Faktoren werden wissenschaftlich ermittelt und z.B. in der IPCC Emission Factor Database oder der ecoinvent-Datenbank gesammelt.
THG-Bilanzen bilden die Grundlage für eine nachvollziehbare Bepreisung von Emissionen – sei es im Zusammenhang mit CO₂e-Abgaben, Emissionshandelssystemen oder freiwilligen Ausgleichszahlungen.

Grafik: Greenhouse Gas Protocol (modif.)
Die Grafik zeigt drei große, gelb‑orange Pfeile/Spalten mit Titeln Scope 1, Scope 2 und Scope 3. Scope 1 (direkte Emissionen) umfasst Verbrennung von Energieträgern zur Strom‑, Wärme‑/Kälteerzeugung, Fahrten mit firmeneigenen Fahrzeugen und Produktion vor Ort. Scope 2 (indirekte Emissionen durch eingekaufte Energie) zeigt Emissionen, die bei Lieferanten zur Erzeugung von Strom, Fernwärme oder Kälte entstehen und dem Betrieb zugerechnet werden. Scope 3 (indirekte Emissionen der gesamten Wertschöpfungskette) ist in vor‑ und nachgelagerte Bereiche gegliedert: vorgelagert z. B. Rohstoffe, eingekaufte Waren/Dienstleistungen, Transport/Logistik, gemietete Güter, langlebige Anschaffungen, Arbeitswege und Geschäftsreisen; nachgelagert z. B. Auslieferung, Nutzung verkaufter Produkte, Entsorgung/Recycling, Franchisebetriebe, finanzielle Beteiligungen und vermietete Güter. Am Fuß stehen Erklärungen zu vor‑ und nachgelagerten Emissionen. Piktogramme (Flugzeug, Lkw, Fabrik, Strommast, Mülleimer u.a.) illustrieren die Kategorien.
Direkte und Indirekte Emissionen
THG-Bilanzen werden weltweit nach dem Treibhausgas-Protokoll (GHG Protocol) erstellt. Die Emissionen werden in drei Bereiche (Scopes) unterteilt: direkte Emissionen (Scope 1) und indirekte Emissionen (Scope 2 und 3). Scope 3-Emissionen sind besonders herausfordernd: Sie machen den Hauptteil aus, liegen aber ausserhalb des direkten Einflusses eines Betriebs. Da viele Firmen an denselben Prozessen beteiligt sind, werden diese Emissionen oft doppelt erfasst – bei Hersteller:innen und Käufer:innen. Das kann beide Seiten motivieren, gemeinsam klimafreundlichere Lösungen zu entwickeln.

Daten: #BAFU, 2025 (Schweiz); ∆Brennstoffemissionshandelsgesetz (Deutschland)
DER PREIS VON CO₂
Der CO₂e-Preis ist ein zentrales politisches Instrument im Klimaschutz. Wer Treibhausgase ausstösst, soll dafür zahlen – das schafft Anreize, Emissionen zu vermeiden. Der Preis entsteht auf zwei Arten:
- Staaten legen innerhalb ihrer Landesgrenze den Preis pro Tonne CO₂e fest, um Verhalten gezielt in Richtung klimafreundlicher Lösungen zu lenken – dies sind die Lenkungsabgaben.
- Über den Handel mit Emissionsrechten – also Zertifikaten, die das Recht geben, eine bestimmte Menge an Treibhausgasen auszustossen – wird ein Markt geschaffen. Dort bildet sich der Preis pro Tonne CO₂e durch Angebot und Nachfrage.
GESETZLICHE KOHLENSTOFFMÄRKTE
Ein Staat oder eine Organisation wie die EU legt eine Obergrenze für Treibhausgasemissionen fest. Innerhalb dieser Grenze müssen Unternehmen ihre Emissionen mit Zertifikaten abdecken. Wer weniger ausstösst, kann seine überschüssigen Zertifikate verkaufen; wer mehr ausstösst, muss zusätzliche Zertifikate kaufen, andernfalls drohen Mehrkosten oder Sanktionen. Dieser Handel findet auf gesetzlichen Kohlenstoffmärkten statt, z.B. im Europäischen Emissionshandelssystem (EU ETS).
Häufig bekommen Unternehmen, v.a. solche mit hohen Emissionen wie Fluggesellschaften, Zement- oder Stahlwerke, die Zertifikate kostenlos vom Staat. Das schützt ihre Wettbewerbsfähigkeit, weil sie sonst im Nachteil gegenüber ausländischen Konkurrenten ohne Emissionsvorgaben wären.
Im Rahmen der Klimaziele wird die Anzahl der Zertifikate schrittweise reduziert, bis sie 2050 bei Null liegt. Gleichzeitig steigen die Preise für die verbleibenden Zertifikate, was den Anreiz zur Emissionsminderung weiter erhöht.
FREIWILLIGE KOHLENSTOFFMÄRKTE
Unternehmen und Privatpersonen können auf freiwilligen Kohlenstoffmärkten CO₂-Zertifikate kaufen, um ihre Emissionen auszugleichen – z.B. für Flugreisen oder Produkte. Der Ausgleich dient v.a. der freiwilligen Verantwortung und dem Klimaschutz über gesetzliche Vorgaben hinaus.
Die Zertifikate stammen aus Klimaschutzprojekten wie Aufforstung, Moorrenaturierung oder Solarenergie, die CO₂ binden oder vermeiden. Der Preis pro Tonne CO₂e richtet sich danach, wie hochwertig ein Projekt ist (z.B. wie aufwändig, dauerhaft und messbar die Einsparung ist), wie viele Zertifikate angeboten werden und wie hoch die Nachfrage ist. Unabhängige Organisationen überprüfen, ob Emissionseinsparungen tatsächlich stattfinden. Das ist z.T. sehr schwierig, da zusätzlich eingesparte Emissionen nicht immer verlässlich nachweisbar sind und teilweise überschätzt werden.