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Mach mit! | Denkanstösse

Denkanstösse

Reise durch Zeit & Raum

Können wir Menschen uns selbst retten?

Den Menschen fällt es oft schwer, sich in Dinge hineinzuversetzen, die in grösserer Distanz liegen, sei es räumlicher oder zeitlicher Art: Beispielsweise fällt es ihnen schwer, sich vorzustellen, was es für die Menschen auf einer Pazifikinsel bedeutet, dass ihre Insel bereits heute durch den Meeresanstieg langsam überschwemmt wird. Oder welche Folgen der Klimawandel bei uns in 10 Jahren hat. Obwohl es Bilder der bedrohten Inseln gibt und es bei uns immer wärmer wird und die Gletscher schmelzen, geschieht viel zu wenig, um die Klimakatastrophe
zu stoppen.

Wie kann uns das, was wir sehen und wissen, zum Handeln bewegen?

Lifestyle & Komfort

Ist unser Komfort von ­heute unser Verhängnis von ­morgen?

In unseren «Komfortzonen» (warm duschen, Kaffee­trinken mit Freunden, in unserem Zuhause sein) fühlen wir uns sicher, da kennen wir uns aus, da gibt es keine Überraschungen. Der Klimawandel dringt in einige unserer Komfortzonen ein (Wasser­mangel, verdorrte Kaffeeernte, Überschwemmungen in der Heimat). Er fordert uns heraus, aus unserer Komfort­­zone auszubrechen, aktiv zu werden, Neues zu wagen und etwas gegen den Klimawandel zu tun.

Was sind Wege, Komfort und eine gesunde Umwelt zusammenzubringen?

Demokratie

Wessen Stimme wird gehört?

Alle Bürger:innen haben prinzipiell das Recht, am demokratischen Prozess (Wahlen, Abstimmungen) teilzunehmen. Kinder und zukünftige Generationen, Tiere, Pflanzen, Flüsse, Ökosysteme u.a. haben diese Möglichkeit jedoch nicht. Auch fehlen ihnen z.T. weitere Rechte, die ihnen in anderen Ländern bereits zugestanden werden. In Ecuador ist z.B. die Natur seit 2008 als juristische Einheit in der Verfassung verankert und kann ihren Schutz einklagen.

Welche Rechte haben bei uns diejenigen ohne Stimme und wie können und sollten wir ihre ­Interessen be­rücksichtigen?

Demokratie & Expert:innenregierung

Klimakrise & Demokratie (1): Herausforderungen für ­unsere Gesellschaft

In Krisen wirken Demokratien oft langsam und unbeweglich und Expert:innenmeinungen werden nicht selten ignoriert. Sollten wir deshalb bei Krisen wie der Klimakrise auf Expert:innenregierungen (Technokratien) setzen, die notwendige, wenn auch unbeliebte Massnahmen umsetzen? Doch wie werden solche Expert:innen ausgewählt? Und wie wägen sie zwischen verschiedenen Werten und Perspektiven ab – einem wesentlichen Merkmal der Demokratie?

Zusammenhalt & Demokratie

Klimakrise & Demokratie (2): Herausforderungen für ­unsere Gesellschaft

Welche Grenzen hat eine selbstbestimmte Demo­kratie? Soll in Krisen jede noch so wissenschaftsferne Meinung gleichberechtigt berücksichtigt werden? Wie gelingt es, Gesellschaft und Demokratie zusammenzuhalten in einer Welt, in der Fake News, Informationsmanipulation aus Machtkalkül, Regierungsverdrossenheit und Klimawandelmüdigkeit Strömungen fördern, die Expert:innenmeinungen ablehnen und unsere Klimarisiken verschärfen?

Demokratie & Lobbyismus

Klimakrise & Demokratie (3): Herausforderungen für ­unsere Gesellschaft

Sind Klimaentscheidungen undemokratisch, wenn grosse Unternehmen und einflussreiche Personen durch starke Lobbyarbeit Entscheidungen zu ihren Gunsten beeinflussen?

Zumutung oder Chance?

Sind Klimaschutzmassnahmen eine Zumutung oder Chance?

«Die Klimakrise ist eine riesige Herausforderung, die wir einerseits bewältigen möchten, aber der wir andererseits ziemlich hilflos gegenüberstehen.

Aber sind wir vom Klimaschutz wirklich überfordert? Oder wird uns das glauben gemacht, weil in der Poli­tik zu wenig passiert? Müsste die Politik nicht auch besser kommunizieren, dass heutige, als Zumutung empfundenen Massnahmen gegen den Klimawandel eine Chance sind, eine katastrophale Entwicklung in der nahen Zukunft zu verhindern?»

– Simon Teune in Spiegel Online

Fairness

Können Klimaschutzmass­nahmen (immer) fair sein?

Bei der Akzeptanz der Klimaschutzmassnahmen ist Fairness ein wichtiger Aspekt, denn unterschiedliche Gruppen können sich unterschiedlich stark belastet fühlen. Entsprechend könnten sie dazu neigen, Gründe anzugeben, warum es keinen Sinn macht, warum ausgerechnet sie etwas und auch noch mehr als andere beitragen sollen. Diese Einwände haben auch ihre Berechtigung und müssen bei der Diskussion und dem Erstellen von Massnahmen berücksichtigt werden.

Wenn wir die als Belastung wahrgenommenen Mass­nahmen jedoch als Investitionen in eine lebenswerte Zukunft verstehen, als ein Vorwärts und nicht ein Zurück, könnten wir dann besser akzeptieren, dass auch bei grössten Bemühungen nicht alle Mass­nahmen immer ganz fair sein können? Dass aber durch die Anpassung unseres Lebensstils heute unsere Kinder eine lebenswertere Zukunft haben werden? Sodass sie nicht mit der wirklich unfairen Situation konfrontiert sind, für unsere Versäumnisse den Preis zahlen zu müssen?

Klimagerechtigkeit

Wie schaffen wir ­Klima­gerechtigkeit?

Die Länder, welche am meisten vom Klimawandel be­troffen sind, sind oft diejenigen, die am wenigsten dazu beitragen. Häufig handelt es sich dabei auch um ärmere Länder, denen oft das Geld für Massnahmen zum Schutz gegen den Klimawandel fehlt.

Wie kann diese Ungerechtigkeit ausgeglichen wer­den? Wer sollte dafür Verantwortung übernehmen? Die Verursacher der Emissionen; diejenigen, die von den Emissionen profitieren; oder diejenigen, die am ehesten etwas dagegen tun können, weil sie Geld, Technologie und die Möglichkeit haben? Wie legen wir fest, wer beitragen muss und wieviel?

Werte

Wie bringen wir ­unsere ­Werte, Ansprüche und ­Wünsche unter einen Hut?

Viele Menschen tragen Werte in sich, die für eine nachhaltige Entwicklung wichtig sind: Freude an der Natur sowie Fürsorge für Mitmenschen – für ­Familie, Freunde und Nachbarn. Doch bestimmte Werte geraten dabei manchmal in Konflikt: Soll ich fliegen, um meine Familie zu besuchen, oder aus Gründen der Nachhaltigkeit darauf verzichten? Es ist oft eine Herausforderung, unsere Ansprüche, Wünsche und Verpflichtungen miteinander in Einklang zu bringen und dabei all unseren Werten gerecht zu werden.

Wie kann uns dieser Balanceakt trotzdem gelingen?

Inspiration geben uns Menschen, die es schaffen, ihren Überzeugungen treu zu bleiben und verant­wortungsbewusst und gerecht («integer») zu han­deln. Sie zeigen uns, wie wir mit solchen inneren Widersprüchen umgehen können und Wege finden, unterschiedliche Werte miteinander zu vereinbaren.

Wer könnte für dich so ein Vorbild sein? Und: Bist du vielleicht selbst ein Vorbild für andere?

Der Wert der Natur

Wieviel ist uns die Natur wert?

Natur existiert nicht um uns herum, sondern wir sind Teil von ihr. Sie ist nicht unsere Um-Welt, sondern unsere Mit-Welt. Ohne sie können wir nicht exis­tieren. Intakte Ökosysteme sind nicht nur ­unsere Lebensgrundlage, sondern ausserdem für viele ­Menschen Teil ihrer Identität, z.B. die Landverbundenheit indigener Völker oder die Gletscher, Seen und grünen Hügel als Teil der Schweizer Identität. Den Wert der Natur können bzw. sollten wir daher nicht in Geld messen. Andererseits kosten der Er­halt und die Wiederinstandsetzung von Natur.

Wieviel sind wir bereit, dafür zu bezahlen? Wieviel ist uns Natur wert? Wissen wir um ihren existentiellen Wert für uns?

Planet B

Überleben auf einem «neuen» Planeten

Wir kennen die Plakate der Klimabewegung, auf denen steht: «Es gibt keinen Planeten B». Tatsächlich leben wir aber schon auf einem Planeten B, denn unser Handeln hat die Erde bereits tiefgreifend verändert.

Stell dir nun vor, dass du wirklich auf einem neuen Planeten ankommst. Was tust du? Du schaust zuerst, was es für Ressourcen gibt (Luft, Wasser, Essen, Wind-/Wärme-/Kälteschutz etc.), damit Du überleben kannst. Du achtest darauf, dass du sie nicht alle an einem Tag verbrauchst, sondern dass sie möglichst lange ausreichen, sauber bleiben und sich nach Möglichkeit vermehren.

Kommt dir das bekannt vor? Genau! Denn genau das Gleiche müssen wir hier auf der Erde auch machen. Damit wir nicht noch alle Buchstaben von «Planet A» bis «Planet Z» durchlaufen!

Doch wieso fällt es uns oft schwer, die Erde wie einen kostbaren Planeten zu behandeln, obwohl wir wissen, dass es keinen Ersatz gibt?

Freiheit

Die Freiheit, zu gehen und zu bleiben

Zu unserem Verständnis von Freiheit gehört, dass wir jederzeit überall hingehen können, wann immer wir wollen. Menschen in von der Klimakrise be­droh­ten Regionen haben jedoch oft eine ganz andere Perspektive auf Freiheit: Für sie bedeutet Freiheit vor allem, in ihrer Heimat bleiben zu können (zusammengefasst nach Eva von Redecker).

Wie beeinflusst unser, meist sehr ressourcenintensives, «Gehen» ihre Chance auf «Bleiben»?

Freiheit & Verantwortung

Unsere Freiheit, das Richtige zu tun

Es gibt zwei Arten, Freiheit zu verstehen. Freiheit kann als Abwesenheit von Einschränkungen definiert werden: Ich kann zum Beispiel frei meine Meinung äussern, meine Religion ausüben und konsumieren, was und so viel ich möchte – ganz gleich, ob das gut für mich ist (gesunde Lebensmittel, Sport) oder schlecht (Fast Food, Fernsehen). Diese «negative Freiheit» beruht darauf, keine äusseren Zwänge zu haben.

Demgegenüber steht die «positive Freiheit» – die Freiheit, sich selbst Regeln und Grenzen zu setzen. Das bedeutet, dass wir uns bewusst an Werte oder Prinzipien binden, die uns moralisch richtig erscheinen, auch wenn sie uns auf den ersten Blick einschränken.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage: Ist ein konsumorientiertes Leben wirklich das freiere, wenn es zugleich dazu führt, dass Teile unseres Planeten unbewohnbar werden? Oder wählen wir die Freiheit, so zu leben, dass ein gesunder Planet und eine lebens­werte Zukunft für uns und unsere Kinder möglich bleiben?

Forschung

Was sollten wir erforschen?

Wir leben in einer Welt mit vielen Ungewissheiten. Der Begriff VUCA beschreibt die Situation sehr gut: VUCA ist eine Abkürzung für die englischen Begriffe

Volatility – Unbeständigkeit
Uncertainty – Unsicherheit
Complexity – Komplexität
Ambiguity – Mehrdeutigkeit.

Hochschulen und Universitäten haben die Aufgabe, Wissen zu schaffen und zu vermitteln. Entsprechend wird dort in viele Richtungen geforscht, um unser Leben zu verbessern und auf Unvorhergesehenes besser vorbereitet zu sein. In Anbetracht der zahlreichen existentiellen Bedrohungen, mit denen wir konfrontiert sind, ist die Frage nach den Forschungsschwerpunkten sehr wichtig.

Was sind aus deiner Sicht wichtige Forschungs­fragen?

Ressourcenverteilung

Wer bekommt welche Ressourcen, wann und wieviel?

Mit der zunehmenden Klimakrise werden Ressour­cen wie Land, lebenswerter Lebensraum, Wasser und Nahrungsmittel immer knapper. Auch Energie­engpässe sind bereits Realität. Wem stehen diese ­begrenzten Ressourcen zu? Wer trifft diese Ent­scheidungen – und nach welchen Kriterien? Welche Industrien müssen geschützt werden? Oder haben Menschen Vorrang? Wenn ja, welche Menschen und wo leben sie?

Ressourcen, Ausbeutung & Verantwortung

Grüner Kolonialismus

Grüner Kolonialismus bedeutet, dass gewisse Regio­nen auf Kosten anderer ein besseres Leben führen. Nehmen wir als Beispiel aus der Energie­wende den Abbau von Rohstoffen für Autobatterien. Diese werden meist für Länder des globalen Nordens (z.B. Schweiz, Europa) im globalen Süden (z.B. Süd­amerika) unter ungesunden und umweltschädlichen Bedingungen abgebaut. Dort führt z.B. hoher Wasserverbrauch in trockenen Gebieten und Wasser­verschmutzung zu Wassermangel für Mensch, Tier und Landwirtschaft. Dadurch kann u.a. die Lebensgrundlage indigener Menschen zerstört werden.

Sind wir uns über solche Produktionsbedingungen im Klaren, wenn wir unser neues Auto kaufen? Wie können wir sicherstellen, dass uns korrekte Infor­mationen dazu vorliegen, die nicht von Firmen «grün­gewaschen» wurden? Wie, dass in anderen Ländern auch unsere guten Bedingungen gelten müssen für die Herstellung von Produkten, die wir möchten? Wie beeinflusst uns dieses Wissen, wenn wir uns für oder gegen den Besitz eines Autos entscheiden?

Verpflichtung & Verantwortung

Sind wir dazu verpflichtet, unser Klima zu schützen?

Niemand kann uns zu klimafreundlichem Handeln zwingen.

Ändert sich dein Verantwortungsgefühl dafür, das Klima zu schützen, wenn du als Kind oder Erwach­sener, als Elternteil, Bürger, Wählerin, Verbraucher, CEO, Politikerin, Banker usw. oder einfach als Bewohnerin dieses Planeten darüber nachdenkst?

«Unvermeidbare» Emissionen

Was sind unvermeidbare ­Emissionen?

Die Schweiz will bis 2050 Netto-Null erreichen – also Treibhaus­gasemissionen im Inland so weit wie möglich senken und verbleibende Emissionen aus­gleichen. Selbst mit allen technologisch und wirtschaftlich machbaren Massnahmen (z.B. emissionsarme Prozesse und erneuerbare Energie­quellen) werden schätzungsweise 12 Millionen Tonnen CO₂e pro Jahr «unvermeidbar» bleiben.

Doch wer entscheidet, was unvermeidbar ist – und können wir diese Restemissionen durch die Entfernung von CO₂ aus der Atmosphäre ausgleichen?

Klimaprotest

Klimaprotest & Klimakrise

Die meisten Menschen wünschen sich mehr Klima­schutz. Dennoch reagieren viele wütend auf radikalere Klimaaktivisten. Warum? Natürlich – sie blockieren Strassen, kleben sich fest, beschmieren Kunstwerke. Aber steckt dahinter vielleicht mehr?

Stören sie vielleicht unseren Wunsch, unsere Illusion, dass alles so bleiben kann, wie es ist? Machen die Aktivisten diesen Konflikt sichtbar – den zwischen dem Wissen um die Dringlichkeit und unserem Nicht-Handeln? Ist die Kritik an den Protestierenden daher nicht vielmehr ein Symbol dafür, wie wir als Gesellschaft insgesamt mit der Klimakrise umgehen: dass in den Medien und der Politik der Klimaprotest zum Problem erklärt wird, nicht die Klimakrise?

– Simon Teune in Spiegel Online (modif.)

Was wären Alternativen? Wie würdest du «gesell­schaftsfreundlich», aber medienwirksam und effektiv auf die drohende Klimakatastrophe aufmerksam machen?